Heucobs können aus vielen Gründen gefüttert werden: als Heuersatz, als Träger für Zusatzfutter, als langfristige Lösung für Pferde mit Zahnproblemen. Irgendwie gilt die Überzeugung, Heucobs wären quasi nur Heu, und dadurch für Rehepferde sicher. Es ist schließlich kein Kraftfutter. Aber das stimmt nicht ganz! In diesem Blog Post erkläre ich dir, welche Heucobs bei Hufrehe geeignet sind, und worauf du beim Kauf achten musst.
Warum Heucobs bei Hufrehe überhaupt ein Thema sind
Es stimmt schon: Heucobs sind gepresstes, getrocknetes Wiesenheu. Sie bestehen aus den gleichen Inhaltsstoffen wie gewöhnliche Heuballen, nur ist das Heu eben in eine andere Form gepresst. Deshalb können Heucobs das Raufutter im Fall der Fälle direkt ersetzen.
Deshalb bringen Heucobs jedoch auch die gleichen Probleme mit, wie Heu: Es ist ein Naturprodukt. Der Zuckergehalt schwankt stark von Hersteller zu Hersteller, und sogar von Charge zu Charge, genauso wie beim Heu. Man kann also definitiv nicht den nächstbesten Sack Heucobs kaufen, und davon ausgehen, dass er zuckerarm ist, nur, weil es eben kein getreidehaltiges Kraftfutter ist. Kauft man ein ungeeignetes Produkt, hat man möglicherweise hohe Zuckergehalte im Futtertrog, was gerade bei Hufrehe kontraproduktiv ist.
Warum Zucker bei Hufrehe gefährlich ist
Die allermeisten Rehefälle, die man in der Praxis sieht, entstehen endokrin: Zu viel Zucker und Stärke im Futter löst eine starke Insulinausschüttung aus. Dauerhaft erhöhte Insulinspiegel schädigen die Blutgefäße in den Hufen. Die Lamellen, die das Hufbein halten, verlieren ihre Verbindung. Es kommt zum Hufreheschub mit extrem schmerzhafter Hufbeinrotation und/oder Hufbeinsenkung. Genau deshalb muss gerade bei „Risikopatienten" besonders genau auf Zucker und Stärke in der Gesamtration geachtet werden — auch in Heucobs.
Und Fruktan? Fruktan ist eine Zuckerverbindung, die das Pferd nicht im Dünndarm, sondern erst im Dickdarm verdauen kann. Fruktan löst daher kaum eine Insulinantwort aus. Die Vorstellung, dass Fruktan Hufrehe verursacht, geht auf Versuche zurück, bei denen Pferden über eine Magensonde extreme Fruktanmengen verabreicht wurden — Mengen, die über natürliche Futteraufnahme nicht erreichbar sind. Die so ausgelöste Rehe war eine Vergiftungsrehe durch Darmflorastörung, nicht eine herkömmliche endokrine Rehe. In der Fütterung spielt Fruktan alleine deshalb im Bezug auf Hufrehe praktisch keine Rolle.
Was auf dem Heucobs-Sack wirklich draufstehen muss
Wenn du einen Heucobs-Sack in der Hand hältst und wissen willst, ob er für dein Rehepferd geeignet ist, gibt es im Grunde einen Wert, der zählt: den Zuckergehalt.
Zucker + Stärke zusammen unter 10 % der Frischmasse. Bei sehr empfindlichen Pferden ist sogar ein Zielwert von unter 6 % sinnvoll. Stärke ist bei Heucobs in der Regel vernachlässigbar (typischerweise unter 1–2 %), also läuft es im Wesentlichen auf den Zuckerwert allein hinaus.
Heucobs im Vergleich — alle gängigen Sorten 2026
Für diesen Vergleich habe ich die Produktangaben vieler gängiger Hersteller zusammengetragen und systematisch ausgewertet (Stand Juni 2026). Die Ampel basiert auf dem deklarierten Zuckerwert + Stärkegehalt in Relation zum Richtwert von 10 % (bzw. 6 % für sehr empfindliche Pferde). Wo Hersteller keinen Stärkewert deklarieren (k.A.), bin ich von einem Durchschnittswert von 1,5 % ausgegangen, der in die Ampelbewertung eingeflossen ist. Produkte mit einem Zuckerwert nahe 10 % können allein durch den Stärkeanteil deshalb über dem Grenzwert liegen.
| Hersteller / Produkt | Ampel | Zucker | Stärke | Energie ME |
|---|---|---|---|---|
| Semhof Bio Wiesencobs zuckerarm | 🟢 | 1,6 % | < 0,5 % | 5,6 MJ |
| OKAPI Sugar Light | 🟢 | 2,8 % | k.A. | k.A. |
| Bergland Heucobs | 🟢 | 4,4 % | k.A. | k.A. |
| PAVO FibreNuggets | 🟢 | 4,5 % | 1,9 % | 5,1 MJ |
| Eohippos Sensitive Cobs | 🟢 | 5,7 % | < 2 % | 6,38 MJ |
| Agrobs Pre Alpin Teffcobs | 🟡 | 5,7 % | 2,3 % | 6,2 MJ |
| Semhof Bio Heucobs zuckerarm | 🟡 | 7,6 % | < 0,5 % | 7,3 MJ |
| Schröder Basis-Heucobs | 🟡 | 7,5 % | k.A. | k.A. |
| Josera Kraut & Rüben Heucobs | 🟡 | 7,5 % | 2,0 % | 6,8 MJ |
| Mühldorfer Heucobs Medium | 🔴 | 7,8 % | 2,2 % | 4,5 MJ DE |
| GOLDHORSE Heucobs | 🔴 | 9,5 % | 0,5 % | k.A. |
| St. Hippolyt Glyx-Wiese[1] | 🔴 | 7,5 % | 2,6 % | 8,6 MJ |
| Marstall Wiesen-Cobs | 🔴 | 9,3 % | k.A. | 7,2 MJ |
| Lexa Heucobs | 🔴 | 10,5 % | k.A. | 6,7 MJ |
| Agrobs Pre Alpin Wiesenflakes | 🔴 | 9,9 % | 3,0 % | 6,7 MJ |
| Agrobs Pre Alpin Wiesencobs | 🔴 | 9,9 % | 3,0 % | 6,8 MJ |
🟢 Guter Ausgangspunkt: Zuckerwert unter dem 6 %-Richtwert; auch mit Stärkeanteil und chargenüblicher Schwankung mit hoher Wahrscheinlichkeit im sicheren Bereich.
🟡 Bedingt geeignet: je nach Charge, Stärkeanteil und individuellem Pferd kann der Grenzwert erreicht oder überschritten werden.
🔴 Für Rehepferde kritisch: Zucker + Stärke zusammen über 10 %.
[1] Nährwertangaben für St. Hippolyt Glyx-Wiese Heucobs laut pferdefutter.de; die Herstellerseite st-hippolyt.de weist keine Analysewerte aus (Stand 06/2026).
Heucobs richtig füttern bei Hufrehe
Wenn die Wahl auf einen geeigneten Heucob gefallen ist, gibt es noch drei praktische Punkte, die den Unterschied machen:
Immer einweichen
Heucobs quellen im Wasser stark auf — dieses Volumen würde sonst erst im Magen oder Darm entstehen. Trockene Fütterung erhöht das Risiko einer Schlundverstopfung oder Verstopfungskolik erheblich. Manche Hersteller bewerben ihre Heucobs als „zum Trockenfüttern geeignet", aber darauf kann man sich meiner Erfahrung nach nicht immer verlassen. Eine einfache Quellprobe schafft Klarheit: Einige Heucobs in ein Glas Wasser geben und einige Minuten warten. Vergrößert sich das Volumen deutlich, sollten die Cobs grundsätzlich eingeweicht gefüttert werden.
Heucobs ersetzen Heu
1 kg Heucobs entspricht 1 kg Heu. Die Menge wird von der täglichen Heuaufnahme abgezogen, nicht obendrauf gefüttert. Wer das vergisst, verfüttert mehr Energie als geplant — bei einem Rehepferd mit Übergewicht muss genau bilanziert werden.
Die Gesamtration muss stimmen
Heucobs mit niedrigem Zuckerwert lösen keine Insulinresistenz und kein EMS. Sie sind ein Baustein in einer angepassten Ration. Es muss immer die Gesamtration aus Energie, Eiweiß, Mineralstoffen und Vitaminen stimmen. Dazu braucht es penibles Management und zielführende Hufbearbeitung, um bei Hufrehe eine Chance auf Heilung zu haben.
Das Wichtigste zusammengefasst
Heucobs können für Rehepferde geeignet sein — aber nur, wenn der Zuckerwert der jeweiligen Charge bekannt ist und im sicheren Bereich liegt. Der Richtwert ist Zucker + Stärke unter 10 %, bei sehr sensitiven Pferden unter 6 %. Fruktan ist bei dieser Entscheidung kein verlässlicher Indikator. Hersteller, die keinen Zuckerwert deklarieren oder Fruktan nicht separat ausweisen, erschweren eine fundierte Auswahl. Die gute Nachricht: Es gibt Produkte, die das transparent und gut machen!
Individuelle Futterberatung
Wenn du im Akutfall Hilfe brauchst oder die Ration deines hufrehegefährdeten Pferdes korrekt anpassen möchtest, melde dich gerne für eine Futterberatung. Alle Infos dazu findest du auf www.pferdestaerken.at.
Häufige Fragen
Können Pferde mit Hufrehe überhaupt Heucobs fressen?
Ja, aber nicht automatisch und nicht ohne vorherige Prüfung. Heucobs gelten fälschlicherweise als sichere Wahl für Rehepferde, weil sie kein Getreide enthalten und oft als „naturbelassen" beworben werden. Das Problem: Heucobs unterliegen denselben Zuckerschwankungen wie das Heu, aus dem sie gepresst werden. Ein Produkt ohne Chargenanalyse ist genauso unkalkulierbar wie unkontrolliertes Heu, und kann unter Umständen viel Zucker in die Ration einbringen.
Welche Heucobs sind bei Hufrehe geeignet?
Produkte mit einem deklarierten Zuckerwert unter 6 % sind ein guter Ausgangspunkt: OKAPI Sugar Light, Semhof Bio zuckerarm und Eohippos Sensitive Cobs zählen zu den transparentesten Optionen. Entscheidend ist aber immer die aktuelle Chargenanalyse, nicht der Standardwert auf der Verpackung.
Wie viel Zucker dürfen Heucobs bei Hufrehe haben?
Der Richtwert liegt bei Zucker + Stärke unter 10 % der Frischmasse. Bei sehr empfindlichen Pferden (Ponyrassen, Mini-Shettys, Pferde mit bekannter Insulindysregulation) sollte der Zielwert unter 6 % liegen.
Reicht es, auf melassefreie Heucobs zu achten?
Nein. „Melassefrei" bedeutet nur, dass keine Melasse zugesetzt wurde. Es sagt nichts über den Eigenzuckergehalt des Ausgangsheus. Ein melassefreies Produkt kann trotzdem hohe Zuckerwerte haben.